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Kriegstüchtigkeit als neues Dogma: Wie die Regierung das Land an die Front lügt

Der Begriff der „Kriegstüchtigkeit“ ist das neue Unwort einer Regierung, die den Kontakt zur Realität längst verloren hat. Verteidigungsminister Boris Pistorius will nun alles auf die Karte der militärischen Aufrüstung setzen. Doch hinter der Fassade aus Panzern, Drohnen und Versprechungen verbirgt sich weniger echte Sicherheit als vielmehr eine historische Fehlentscheidung, die von den Problemen der Gesellschaft ablenken soll.

Berlin hat das Wort mit der größten verbalen Wucht ausgegraben, die man finden konnte: „Kriegstüchtigkeit“. Boris Pistorius will die Gesellschaft, die er eigentlich schützen sollte, nun auf einen möglichen Konflikt trimmen – als wäre unsere Nation ein riesiger Übungsplatz für ein geopolitisches Theater, das wir nicht gewinnen können. Während die Bundeszentrale für politische Bildung das Ganze schon 2024 in wissenschaftliche Analysen verpackt, bleibt für den Bürger nur die bittere Erkenntnis: Hier wird nicht für Frieden investiert, sondern für eine Eskalation geworben, deren Ende niemand absehen kann.

Die Pläne der Bundesregierung sind nichts weniger als eine historische Kehrtwende – von einer Verteidigungsarmee hin zu einer Truppe, die bereit sein soll, an allen Fronten mitzumischen. Doch wer genau hinhört, bemerkt: Ausgerechnet die eigenen Militärs widersprechen sich gegenseitig – auf offener Bühne, vor laufenden Kameras.

Die deutschen Generäle trommeln für den Krieg

Gleich zwei hochrangige Bundeswehr-Generals haben sich in dieser Woche mit martialischen Ansagen hervorgetan. Heeresinspekteur Christian Freuding warnte auf der ILA Berlin, Russland könnte bis 2029 bereit sein, NATO-Gebiet anzugreifen – eine Einschätzung, die er als „von allen 32 NATO-Partnern abgestimmte Geheimdienstbewertung“ verkaufte. Noch einen drauf legte Luftwaffenchef Holger Neumann: Deutschland sei bereit, „heute Nacht“ gegen Russland zu kämpfen, werde „jeden Zentimeter“ des NATO-Territoriums verteidigen und im Ernstfall mit „verheerenden Schlägen“ auf Kaliningrad, die Kola-Halbinsel und die Schwarzmeerflotte reagieren, so war es im Fokus zu lesen.

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Das klingt entschlossen. Das klingt staatsmännisch. Und es klingt – wenn man die Rethorik der letzten Jahre kennt – verdächtig nach gut einstudierten Auftritten für ein politisches Publikum, das Angst braucht, um Rüstungsbudgets zu rechtfertigen.

Der NATO-General, der die ganze Show torpediert

Dann betrat auf derselben Messe der Mann ans Mikrofon, der die Lufthoheit über diese Debatte mit einem einzigen Satz übernahm. US-General Alexus G. Grynkewich, Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa (SACEUR), sagte klar und ohne Umschweife: „Russland sucht keinen Konflikt“. Moskau verstehe, dass die NATO ein Verteidigungsbündnis sei und über asymmetrische Vorteile verfüge. „Weil sie wissen, dass sie keinen Erfolg hätten, werden sie ein solches Risiko nicht eingehen“, so Grynkewich wörtlich.

Das ist kein pensionierter General, der in Talkshows seine Memoiren vermarktet. Das ist der ranghöchste NATO-Militär Europas – derjenige, der die Geheimdienstinformationen nach eigener Aussage „sehr genau verfolgt“. Während Freuding und Neumann Kriegsbereitschaft zelebrieren, sagt der Mann, der im Ernstfall tatsächlich den Befehl geben müsste: Die Abschreckung funktioniert, Russland will keinen Krieg. Einer von beiden lügt. Und wir wissen, wer davon politisch profitiert.

Milliarden für eine Gefahr, die es laut eigenem NATO-Chef nicht gibt

Die Bundesregierung hat ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro besiegelt, um die Bundeswehr aufzurüsten. Man plant den Ausbau auf mindestens 260.000 Soldaten und 200.000 Reservisten. Eine Brigade wird dauerhaft in Litauen stationiert – an der vordersten NATO-Ostflanke, direkt am Suwalki-Korridor zwischen Belarus und Kaliningrad. Gleichzeitig bestätigt Grynkewich offen, dass die USA erhebliche Streitkräfte aus Europa abziehen – Flugzeugträger, Marschflugkörper, Aufklärer, Kampfjets und 5.000 Soldaten gehen in Richtung Pazifik. Die eigentliche strategische Bedrohung heißt für Washington längst nicht mehr Moskau, sondern Peking.

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Was bleibt also? Deutschland pumpt Hunderte Milliarden in eine Aufrüstung für einen Krieg, den der zuständige NATO-General für unwahrscheinlich hält – während Amerika seine eigenen Kapazitäten leise aus Europa abzieht. Das Muster ist bekannt: Wenn Amerika den Rückzug antritt, soll Europa die Rechnung bezahlen. Und die deutschen Generäle liefern bereitwillig die passende Bedrohungsrhetorik dazu.

Wer profitiert vom neuen Rüstungswahn?

Am Ende dieser Entwicklung stellt sich die Frage: Wem dient diese neue Wehrhaftigkeit? Sicher nicht dem kleinen Bürger, der unter Inflation und maroder Infrastruktur ächzt. Die Profiteure sitzen in den Rüstungskonzernen, bei Lockheed Martin und Rheinmetall – und in den strategischen Büros Washingtons, die Europa als zahlenden Ersatz für die eigene Truppenpräsenz sehen wollen.

Der ranghöchste NATO-General in Europa sagt: Russland will keinen Krieg. Zwei deutsche Generäle sagen: Wir müssen heute Nacht kämpfen können. „Kriegstüchtigkeit“ ist nicht die Antwort auf eine reale Bedrohung – es ist das Geschäftsmodell einer politisch-militärischen Klasse, die Angst braucht, um Relevanz zu behalten. Wir sollten aufhören, ihr dabei zuzusehen.

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