Die Energiekrise, die durch verringerte Gaslieferungen aus Russland verursacht wird, könnte die Preise um 10 % in die Höhe treiben, warnt der chef der Bundesbank.
von Redaktion
Deutschland stehe vor der höchsten Inflation seit Jahrzehnten, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel am Samstag der „Rheinischen Post“. Das Land könne in eine Rezession fallen. „Eine Inflationsrate von sogar 10 % ist in den Herbstmonaten möglich“, sagte Nagel der Zeitung. Der jüngste Anstieg der Energiepreise, der durch verringerte Lieferungen aus Russland – dem Hauptlieferanten Deutschlands – verursacht wurde, wird die Verbraucherpreise wahrscheinlich weiter in die Höhe treiben, sagte Nagel.
„Zweistellige Inflationsraten wurden in Deutschland zuletzt vor mehr als 70 Jahren gemessen“, so der Bundesbankpräsident weiter. Ein ähnliches Inflationsniveau gab es 1951, als die Inflation nach damaligen Berechnungen 11% erreichte, berichten deutsche Medien.
Auch im kommenden Jahr dürfte die Lage der Volkswirtschaft angespannt bleiben, „das Thema Inflation wird auch 2023 nicht vom Tisch sein wird“, da „Versorgungsengpässe und geopolitische Spannungen anhalten dürften“, warnte Nagel.
Die Inflation dürfte die Juni-Prognose der Bundesbank um 4,5 Punkte übertreffen und „vor dem Komma im nächsten Jahr durchschnittlich 6% betragen“, fügte er hinzu.
Die Preise für Erdgas und Strom seien bereits stärker gestiegen als erwartet. Reduzierte Gasimporte aus Russland, die während einer extremen Hitzewelle in Europa auftraten, die zu niedrigeren Wasserständen in den großen europäischen Flüssen führte und den Flusstransport behinderte, könnten die deutsche Wirtschaft schwer treffen, warnte der Bundesbankchef.
„Mit der Verschärfung der Energiekrise scheint eine Rezession im nächsten Winter wahrscheinlich“, sagte der Banker voraus.
Nach Angaben der „Financial Times“ sind die Preise der deutschen Industrieunternehmen zwischen Juli 2021 und Juli 2022 um 37,2 % gestiegen. Das Statistische Bundesamt sprach von dem höchsten Anstieg aller Zeiten, so die Zeitung weiter.
